Eier in Fertigprodukten und in der Gastronomie
VIER PFOTEN kämpft seit mehreren Jahren um eine Verbesserung der mitunter katastrophalen Haltungsbedingungen von Legehennen. Mit Erfolg: Zumindest die Käfighaltung ist in Österreich mit wenigen Ausnahmen inzwischen vom Tisch; EU-weit ist leider nur der „alte Käfig“ verboten. Ab 2012 ist ein „neuer Käfig“ mit Alibi-„Einrichtung“ erlaubt, die den Hühnern aber mehr hinderlich als hilfreich ist. Die Kennzeichnungspflicht, die über die Haltungsform Aufschluss gibt, gilt allerdings nur für ganze Eier in der Schale. Sämtliche Lebensmittel, die Eier enthalten, sind davon bisher ausgenommen. Eine VIER PFOTEN Kampagne bemüht sich nun, dies zu ändern.
Die Fakten
Die Haltungsformen
Vier Kategorien sind bei der Hennenhaltung zu unterscheiden. Eine aufgestempelte Kennnummer gibt auf jeder Eierschale darüber Auskunft, aus welcher Haltungsform das Ei stammt:
Ziffer 3 steht für Käfighaltung. Trotz Verbot der konventionellen Legebatterie bleiben immer noch die so genannten „ausgestalteten Käfige“, die eher Kosmetik als eine echte Verbesserung sind. In der Schweiz ist die Käfighaltung bereits seit zwei Jahrzehnten verboten; in Österreich wurde ein Ende mit Übergangsfrist bis 2019 erwirkt. In Deutschland und anderen EU-Ländern bleibt die Käfighaltung Realität – in „ausgestalteter“ Form.
Bei der Bodenhaltung (Ziffer 2) leben bis zu 6.000 Tiere in einem Großstall auf mehreren Etagen und leider fast immer ohne Tageslicht. Diese Haltungsform führt durch ähnlich drangvolle Enge (18 Hühner/qm) wie in der Käfighaltung ebenfalls zu Verhaltensstörungen wie Kannibalismus und Federpicken.
In der Bio-/Freilandhaltung (Ziffer 0 bzw. 1) ist die Besatzdichte deutlich niedriger, und die Tiere haben die Möglichkeit ins Freie zu gehen. Dennoch treten auch hier aufgrund der intensiven Tierhaltung Probleme wie Federverlust auf.
Was passiert mit den Hähnen, oder: Warum ist ein Legehuhn nach nur einem Jahr „schlachtreif“?
Unabhängig von der Haltungsform werden die auf Lege-Produktivität gezüchteten Küken zunächst nach Geschlecht sortiert: Beim so genannten „Sexen“ werden die männlichen Tiere gleich nach dem Schlüpfen lebend in einen Schredder geworfen oder vergast. In Österreich werden pro Jahr mehr als 6,3 Millionen junge Hähne auf diese Art getötet (2009) – diese Zahl ist nicht weit von der Gesamtbevölkerung des Landes entfernt. Populäre Rassen wie „Lohmann Braun“ haben ihre optimale Legequote für nur ein Jahr; danach sind sie ausgemergelt, oft krank und federlos und werden geschlachtet. Sie werden zu Suppenhühnern verarbeitet, die unter anderem in Fertigprodukten oder in Suppenwürfeln enthalten sind.
Die natürliche Lebenserwartung von Hühnern beträgt je nach Rasse zehn bis zwanzig Jahre.
Ei-enthaltende Produkte
Egal ob Supermarktprodukte wie Nudeln, Aufstriche oder Süßigkeiten, Bäckereiprodukte wie Mehlspeisen oder in Restaurants angebotene Mahlzeiten: Die Kontrolle über die Herkunft von Eiern endet dort, wo das Ei zum Inhaltsstoff wird. Auf der Verpackung von Lebensmitteln ist lediglich zu erkennen, ob ein Produkt Eier enthält – woher die herstellende Firma diese bezieht, bleibt für den Verbraucher im Dunkeln. Bei den meisten industriell gefertigten Lebensmitteln handelt es sich dabei keineswegs um Frischeier in der Schale, sondern um Flüssig- oder Trockenei. Letzteres ist ein Pulver; Flüssigei („Eiklar pur“, „Eigelb pur“ oder „Vollei“) wird je nach Größe des Betriebes im Verbundskarton, in Plastikflaschen (Gastronomie) oder sogar in Tanklastern (Backwarenhersteller) geliefert. Notwendig sind Eier fast nie.
Nudeln: In einer original italienischen Pasta haben Eier nichts verloren. Kein Wunder: Hochwertige Nudelprodukte werden aus Durumweizen (Qualitätsweizen/Hartweizen) hergestellt. Die Beigabe von einem zusätzlichen Bindemittel ist überflüssig. Anders bei sogenannten „Eiernudeln“: Hier wird billiger Weizen verwendet, die Beigabe von Eiern ist für die Bindung notwendig. Allerdings handelt es sich hier nicht um hochwertige Eier, sondern zumeist um überzählige „Schmutzeier“, „Bruch- und Alteier“, die im Lebensmittelhandel niemand kaufen würde.
Backwaren: Eier sind im Teig nicht mehr als Flüssigkeit, Fett und Stärke, die ohnehin bereits in Mehl und beispielsweise Margarine enthalten sind. Nur als Triebmittel wäre die Beigabe von Eiern zu rechtfertigen. Die Industrie verwendet aber schon heute längst alle Arten von Backpulver dafür; diese kann sich also nicht darauf ausreden, dass sie in ihren Produkten keine Freilandeier verwendet, da keine Eier immer noch billiger sind als Käfigeier.
Die Kampagne
Bedauerlicherweise konnte politisch in Österreich in Bezug auf die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Eiern nichts erreicht werden, trotz eines Fünf-Parteien-Entschließungsantrages. Der Wirtschaftsflügel der ÖVP war bisher mächtig genug, um diesen für den Tierschutz und die Konsumenten so wichtigen Fortschritt zu verhindern.
Im Handel wurde dennoch ein Fortschritt erzielt: Die Eigenmarken der Supermarktketten Spar und Rewe wurden auf Boden- bzw. Freilandeier umgestellt und entsprechend gekennzeichnet. Die Backmischungen von Alnatura (dm) werden ohne Eier hergestellt, und Firmen wie der Feinbackwarenhersteller Ölz haben auf Bodenhaltung umgestellt.
Neben dem Lobbying in Wirtschaft und Politik steht die Informationsarbeit im Vordergrund. Die Kampagne wird nun auf mehreren Ebenen fortgeführt: Das Ziel bleibt eine verpflichtende Kennzeichnung, die transparent macht, welche Art von Eiern in Produkten verwendet wird.
Was Sie tun können
Es gilt wie bei allen Produkten das Prinzip: Nachfrage schafft Angebot. Die weitgehende Vermeidung von Eierkonsum ist daher die einzig wirkungsvolle Methode, nicht Teil eines Geschäfts zu werden, das in keiner Haltungsform ohne das Leid von Tieren auskommt. Der übermäßige Eierkonsum unserer Zeit ist ein Luxusphänomen. Etliche fertig verarbeitete Lebensmittel enthalten Eier – vielen Konsumenten ist nicht einmal bewusst, wie hoch der eigene Verbrauch dadurch wird. Ein Blick auf die Verpackung lohnt daher beim Einkauf: Nur wo ausdrücklich von Freiland-, Bio- oder Bodenhaltungseiern die Rede ist, sind diese auch drin. Bei allen anderen Produkten muss man von Eiern aus Käfighaltung ausgehen.
Aufgrund des großen Preisdrucks greifen Wirte und Hoteliers auf die billigsten Eier zurück, und das sind leider Käfigeier, auch aus dem Ausland. Daher gilt hier: Fragen Sie nach, welche Eier für Ihre Speise verarbeitet wurden. Lassen Sie sich optimalerweise ein rohes Ei aus der Küche bringen, um hundertprozentig sicher zu sein, dass das verarbeitete Ei auch wirklich aus der Freilandhaltung stammt. Und noch etwas: Auch wenn das Frühstücksei am Buffet mit 0 oder 1 gestempelt ist, bedeutet das noch lange nicht, dass der Rest der Küche mit Eiern aus Freilandhaltung arbeitet.
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Auf einen Blick!
Bei Lebensmitteln, die Eier enthalten, besteht im Gegensatz zu Schaleneiern keine gesetzliche Pflicht über die Haltungsart Auskunft zu geben. Wie schon beim Bemühen um bessere Haltungsbedingungen von Legehennen zeichnet sich auch bei dieser Kampagne energischer politischer Widerstand ab.
Aufmerksame Verbraucher haben allerdings bereits einige Produktlinien zur Auswahl, bei denen sich die Hersteller für eine freiwillige Kennzeichnung entschieden haben. Da jedoch keine Haltungsform frei von Tierleid ist, lohnt es sich zu überlegen, ob man nicht seinen Verbrauch zumindest weitestgehend einschränken möchte.
Im Internet www.youtube.com -> „Küken sexen“ (eingeben) www.vier-pfoten.at -> „Eier Kampagne" Eiersatz für die Industrie: www.futurefood.org
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